Interview: Sagenhafte Stadtführungen „off echd goodsch“

 

 

Hänser und Schluder, die 1999 vom Zeichner Kai Kretzschmar und dem Autor Andreas M. Cramer erschaffenen goth'schen Originale, wurden 2010 von Ralph-Uwe Heinz (links) und Jens Rönnpagel (rechts) zum Leben erweckt. Bei ihren Führungen streiten sich die Freunde gern, wer von beiden denn die wahre Geschichte kennt. Der skeptische Blick Hänsers ist beinahe schon Programm.

 

Passend zum Gothardusfest wird es die erste Stadtführung auf Goth’sch geben. „Oscar“ sprach im Vorfeld mit Ralph-Uwe Heinz und Jens Rönnpagel, die als „Hänser & Schluder – zwei goth’sche Guschen“ die sagenhafte Seite der Stadtgeschichte in heimischer Mundart präsentieren.

 

Wie muss man sich eure „sagenhafte Stadtführung mit Herz und großer Gusche“ vorstellen?

 

Beginnend am Rathausportal, das ja an die älteste Sage von den Goten als Stadtgründer erinnert, führen wir zu Orten, an die sich Sagen knüpfen. Das ist richtig spannend, vor allem, weil wir die Überlieferungen in Mundart erzählen und uns zuweilen streiten, ob diese wahr oder bloße Fantasie sind. Und da geht es schon deftig zur Sache, wenn sich zwei goth’sche „Labbmhööcher“ mit großer Gusche in die Haare kriegen und als „Klabbskander“, „Fiefndeggel“ oder „Amdiller“ beschimpfen. Aber es macht riesigen Spaß – und wir vertragen uns dann ja auch wieder. (beide lachen)

 

Wer sind Hänser und Schluder eigentlich?

 

Zwei fiktive goth’sche Originale, ein ehemaliger Kneipenwirt und ein pensionierter Straßenbahnschaffner, die vor gut zehn Jahren vom Zeichner Kai Kretzschmar und dem Autor Andreas M. Cramer erdacht wurden. Bekannt sind sie wohl vor allem durch das „Kleine goth’sche Schimpfwörterbuch“ und die „Gothaer Sagen“, die sie in Mundart erzählen. Sie sind richtig urige Typen, die reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist: witzig und treffend, durchaus kernig, aber auch mit viel Herz und Sympathie für ihre Stadt. Es lag einfach auf der Hand, die beiden endlich zum Leben zu erwecken.

 

Und die Absicht dahinter?

 

Zum einen wollen wir natürlich auf neue, witzige und unterhaltsame Art Touristen und Einheimische für die sagenhafte Seite Gothas begeistern. Denn da gibt es jede Menge spannender Geschichten. Zum anderen wollen wir den Goth’schen zeigen, dass unsere Mundart ein einmaliger Schatz ist, der bewahrt und gepflegt werden muss. Und dass das Goth’sche ankommt, hat Ralph-Uwe ja voriges Jahr beim Silvesterklassiker „Dinner for one auf Goth’sch“ erlebt. Das Publikum hat sich halbtot gelacht über seine Sprüche als Diener Schluder.

 

Anderenorts hat die Mundart längst Kultstatus. Ist das auch für Gotha denkbar?

 

Na klar, daran arbeiten wir doch! (beide lachen) Und wenn unser Konzept funktioniert, können wir uns Hänser und Schluder auch gut auf der Bühne vorstellen. So eine Art „Herricht und Preil“ auf Goth’sch. Das wäre ohnehin ein reizvolles Projekt für die Zukunft und garantiert kultig: echt goth’sches Mundart-Theater. Aber jetzt schauen wir erst einmal, wie unsere Führungen ankommen.

 

Wann wird man euch denn erleben können?

 

Erstmals am Sonntag zum Gothardusfest. Start der Führung ist 15.15 Uhr am Rathausportal, Karten gibt es in der Gotha-Information. Außerdem stehen schon die Freitage 4. Juni, 27. August und 26. November 2010 mit Beginn jeweils 19.00 Uhr fest. Aber wir sind sicher, dass da noch ein paar mehr Termine dazukommen.

 

(aus: Oscar am Freitag, 30.4.2010)

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