Einführung in die Gothaer Mundart


I. Zur Einleitung

 

Diese Einführung, bestehend aus einer Laut- und Wortlehre, soll mit den wichtigsten Besonderheiten der in der Residenzstadt Gotha gesprochenen Mundart vertraut machen.

Sprachwissenschaftlich recht grob dem mundartlich vielfältigen Dialektraum des Zentralthüringischen zugeordnet, wird die goth’sche Mundart fein unterschieden: Zum einen gibt es das sogenannte Stadtgoth’sch (um das es hier ausschließlich gehen soll) sowie das Stadtrandgoth’sch (der Dialekt der zu Gotha eingemeindeten Dörfer - heute nur noch schwer vom Stadtgoth’schen zu trennen), und zum anderen das Landgoth’sch (die meist noch weitaus stärker ausgeprägte Mundart der umliegenden Dörfer) sowie das Waldgoth’sch (die Mundart der Thüringerwald-Gemeinden mit ihren z.T. erheblichen Abweichungen in Aussprache und Wortschatz gegenüber dem Stadtgoth’schen).

Die Grundlage dieser Einführung in das Stadgoth’sche bilden die 1930 veröffentlichten kurzen Untersuchungen des Heimatforschers Louis Schmidt zur „Gothaer Volkssprache und Volkspoesie“, die in den nachfolgenden Jahrzehnten bedauerlicherweise keinen rechten Fortgang fanden. Nur einzelne Heimatfreunde pflegten - bei Vorträgen sowie mit verstreuten Publikationen in Zeitungen und Zeitschriften - die Gothaer Mundart. So unterblieb jedoch eine konsequente Sammlung und Systematisierung aller Forschungsergebnisse. Dies hatte im wesentlichen zwei Ursachen: Einerseits konnte sich im Laufe der Jahrhunderte eine wirklich eigenständige, abgeschlossene Mundart wie in manchen Walddörfern nie herausbilden, da Gotha als bedeutender Handelsknotenpunkt und einst zweitgrößte Stadt Thüringens stets fremden Spracheinflüssen ausgesetzt war. Spätestens jedoch seit der Mitte des 19. Jahrhunderts veränderte sich im Zuge des raschen wirtschaftlichen Aufschwungs von Handel, Industrie und Verlagswesen sowie der wachsenden Bedeutung Gothas als Kunst-, Musik- und Theaterstadt die ursprüngliche Mundart durch viele Zugereiste sehr stark. So beklagte bereits 1895 (sic!) der Sprachforscher Ludwig Hertel, dass es ihm in Gotha schwergefallen sei, noch eines richtigen Mundartsprechers „habhaft zu werden“.

Andererseits wurde der Verfall der Mundart noch befördert durch ihre zunehmende Abwertung in Schule und öffentlichem Leben. Bis heute gilt selbst vielen Gothaern ihre heimische Mundart lediglich als schlechtes Hochdeutsch, welche den Sprecher ungebildet erscheinen lässt. Durch das Vermeiden von Mundartwörtern und sprachlichen Besonderheiten im Alltag aber verliert das Goth’sche mehr und mehr seine urwüchsigen Eigenheiten. Viele Besonderheiten in Lautung und Wortschatz sind aufgrund mangelnder Pflege der Mundart in den vergangenen Jahrzehnten allmählich außer Gebrauch gekommen und schließlich gänzlich in Vergessenheit geraten.

So soll in diesem Aufsatz der Versuch unternommen werden, anhand ausgewählter Beispiele das oft geschmähte Goth'sch in seinen unterschiedlichen Ausprägungen darzustellen. Jedoch wird dies aufgrund der angeführten Schwierigkeiten in Teilen nurmehr eine Rekonstruktion mit all ihren Unzulänglichkeiten und Fehlern bleiben müssen. Wie man „richtig“ Goth’sch spricht, lässt sich zudem niemals exakt festlegen. Denn wie jede lebendige Sprache unterliegt auch die Mundart in Bezug auf Wortschatz und Gebrauch einem steten Wandel und verändert sich fortwährend. D.h., unsere Urgroßeltern sprachen etwas anders Goth’sch als wir heute und als deren Vorfahren in den Jahrzehnten und Jahrhunderten zuvor. Und auch unsere Enkel werden einst ein gegenüber heute mehr oder weniger verändertes Goth'sch sprechen.

Die in der folgenden Laut- und Wortlehre aufgeführten Besonderheiten sind daher keinesfalls als ein starres und verbindliches „Regelwerk“ anzusehen, sondern sollten vielmehr als ein Rahmen verstanden werden, in welchem für jeden Sprecher stets zahlreiche individuelle Variationsmöglichkeiten bleiben.

 


 

II. Kleine Lautlehre

 

Wie alle Thüringer sprechen auch die Goth’schen in einem leicht singenden, gemächlichen und zumeist dunklen Tonfall. Dies ist auch der Grund, weshalb die Mundart stets ein wenig umständlich und (trotz vieler derber Worte) doch auf ihre Art gemütlich klingt. Bevorzugt werden die Vokale gedehnt und dunkel gesprochen sowie vornehmlich die weichen Konsonanten gebraucht. „Maulfaul“ werden zahllose Lautumstellungen, Verkürzungen und Verlängerungen von Worten vorgenommen, um eine angemessene Sprachflüssigkeit zu erreichen.

Auch wenn in der Öffentlichkeit die Mundart mehr und mehr zugunsten einer sich dem Hochdeutschen annähernden Umgangssprache zurückgedrängt wird und ihr Gebrauch selbst bei vielen Gothaern als unfein angesehen wird, so lässt doch der wahre Mundartsprecher niemals etwas auf sein Goth’sch kommen. Alle Nicht-Gothaer seien daher eindringlich gewarnt: Äußern Sie nach Ihrem ersten möglichen Eindruck niemals gegenüber einem Gothaer, dass seine Sprache in Ihren Ohren „irgendwie sächsisch“ klinge! Erstens ist dies nicht wahr (Tip: Lesen Sie diese Lautlehre!) und zweitens wird der solcherart Geschmähte schwer beleidigt sein sowie Ihnen sehr kurzangebunden und mehr oder minder freundlich erklären, dass das Goth’sche rein gar nichts mit dem Sächsischen zu tun habe. Und Sie haben sich mit Ihrer unbedachten Bemerkung für längere Zeit jedwede Sympathien beim ihm verscherzt!

Diese kleine Lautlehre soll vertraut machen mit den wichtigsten „Regeln“, nach denen die Goth’schen ihre Mundart gebrauchen. Anhand ausgewählter Beispielwörter werden die hauptsächlichen Eigenheiten gegenüber dem Hochdeutschen erläutert. Der Vollständigkeit halber sind auch einige Besonderheiten aufgeführt, die nicht ausschließlich auf das Goth’sche zutreffen, sondern auch in angrenzenden Mundarträumen bekannt sind.

Beachten Sie bitte, dass die folgenden Regeln für Lautverschiebungen und andere sprachliche Besonderheiten nicht einfach auf jedes beliebige Wort übertragen werden können. Das heißt, die jeweils aufgeführten Beispielwörter werden zwar lautlich so abgewandelt, jedoch gibt es oft noch eine Vielzahl von Wörtern mit gleichen oder ähnlichen Merkmalen, die entgegen der erläuterten Regel anders ausgesprochen werden. Diese Ausnahmen ebenfalls mit anzuführen, würde jedoch den Rahmen dieses Aufsatzes sprengen. Mundartkenner werden jedoch relativ leicht erkennen, auf welche Wörter die jeweiligen Regeln nicht passen.

Für Nicht-Mundartsprecher empfiehlt es sich zugunsten eines besseren Verständnisses der Gothaer Mundart ohnehin, dem Rate Martin Luthers zu folgen. Er empfahl: „... man mus die mutter jhm hause, die kinder auff der gassen, den gemeinen man auff dem marckt drumb fragen, vnd den selbigen auff das maul sehen, wie sie reden ...“

 

1. Lautverschiebungen

 

1.1. Vokale

 

1.1.1 a --> langes und kurzes „a“ tendiert in allen Stellungen zu langem „o“ (tief und dunkel gesprochen)
emål (einmal), quål (Qual), håmml (Hammel), åsche (Asche), jåchen (jagen), åhms (abends), då (da), schlåfen (schlafen), ånnedd (Annett), fråchn (fragen)

 

1.1.2 a --> tendiert in der Vorsilbe „da“ zu „er“
dermid (damit), dervor (davor), derzu (dazu), derfür (dafür), derzwischn (dazwischen)

 

1.1.3 a --> tendiert im In- und Auslaut zu kurzem „e“ (wie in „Mühe“)

gohde (Gotha), warze (Warza), me(r) (man), friddrichrode (Friedrichroda), das derf me donnech gemach (das darf man doch nicht machen)

 

1.1.4 e --> tendiert in den Vorsilben mit „er“ und der Endung „er“ zu kurzem „a“ (sehr dumpf gesprochen und leicht nasaliert)

varsuchng (versuchen), varlusd (Verlust), arzehln (er­zählen), arradn (erraten), darquer (derquer), darselwe (derselbe), zarrobbfn (zerrupfen), zarschlaachn (zer­schlagen), ar hadds mech gesaachd (er hat es mir gesagt), dar jung (der Junge), lichdar (Lichter), finsdar (finster)
[vergl. ahd. farlust (Verlust), farrâtan (verraten), arsûfan (ersaufen), wintar (Winter), zaubar (Zauber), untar (unter), finstar (finster), klôstar (Kloster)]

 

1.1.5 i --> tendiert in allen Stellungen zu kurzem „e“ (wie in „Recht“)

was werdsn (was wird es denn), ech wiss schonn (ich weiß schon), erchndwie (irgendwie), s werd nachd (es wird Nacht), dann ehm nech (dann eben nicht), mer wissns je (wir wissen es ja), mer hans doch (wir haben es doch), se war hier (sie war hier), de wänsd (die Wän­ster)

 

1.1.6 i --> tendiert im An- und Inlaut (vor allem vor „r“) zu einem kurzen Laut zwischen „ü“ und „ö“

ürrn (irren), schdümmd (stimmt), schürm (Schirm), gül­ded (gilt), schüff (Schiff), quörl (Quirl), zwörn (Zwirn), försich (Pfirsich), osdvördl (Ostviertel), früsch (frisch)

 

1.1.7 o --> tendiert im Inlaut zu einem Kurzlaut zwischen „e“ und „a“

kammode (Kommode), bordmanneh (Portemonnaie), kammissbrod (Kommissbrot), loggmediewe (Lokomotive), doggder (Doktor), brofesser (Professor), basder (Pastor), radehaggn (Rodehacke), kander (Kantor)

 

1.1.8 u --> wird im An- und Inlaut (besonders vor „r“) zu kurzem „o“

worschd (Wurst), romlaufn (herumlaufen), drommerom (drum­herum), dronger (darunter), nonger (hinunter), rommel (Rum­mel), orlaub (Urlaub), honger (Hunger), gorge (Gurke), zar­robbfn (zerrupfen), korz (kurz)

 

1.1.9 u --> tendiert in der unbetonten Silbe „zu“ (am Wortan­fang oder allein stehend) zu kurzem „e“

zehause (zuhause), viel ze viel (viel zu viel), zerügg (zurück), zeowerschd (zuoberst), zeerschd (zuerst)
[vergl. mhd. ze allen zîten (zu allen Zeiten), ze gotha (zu Gotha), ez kam ze wildem strîte (es kam zu wildem Streit / Kampf)]

 

1.2. Konsonanten

 

1.2.1 b --> tendiert im Inlaut zu „w“ (außer in Worten mit der Kombination „ben“)

selwer (selber), iewelnehm’ (übelnehmen), driewer (dar­über), browiern (probieren), mei liewer mann (mein lieber Mann), gardofflreiwe (Kartoffelreibe), zeowerschd (zuoberst), gerwergasse (Gerbergasse), gelwe farwe (gel­be Farbe), weiwer (Wei­ber)
[vergl. mhd. varwe (Farbe), hovel (Hobel), narwe (Narbe), aver (aber)]

 

1.2.2 b --> tendiert im Anlaut vor „r“ und „l“ sowie im Auslaut nach „r“ leicht zu „p“

predd (Brett), prief (Brief), pringn (bringen), plank (blank), korp (Korb)

 

1.2.3 p --> tendiert in jeder Stellung zu „b“

barad (parat), bordmanneh (Portemonnaie), hebbl (Hip­pel = Ziege), dobbf (Topf), boldern (poltern), bosdamd (Postamt), babbe (Pappe), blötzlech (plötzlich), bagg mers (packen wir es), drobfn (tropfen)

 

1.2.4 p --> wird im An- und Auslaut, sowie im Inlaut hinter „m“ zu „f“

feffer (Pfeffer), fangkuchn (Pfannkuchen), fiefn (Pfeife), ferde (Pferde), fennje (Pfennige), foodn (Pfoten), friemln (pfriemeln), kamf (Kampf), stumf (stumpf), kämfn (kämpfen)

 

1.2.5 d --> wird im Inlaut nach „n“ zu „n“ assimiliert (angeglichen)

wunner (Wunder), schanne (Schande), hunne (Hunde), ännern (ändern), annerschder (anders), hunnerdzwansch (einhundert­zwanzig), wannerschlebm (Wandersleben)

 

1.2.6 d --> tendiert im Auslaut sowie vor „r“ leicht zu „t“

wint (Wind), balt (bald), mort (Mord), trei (drei), trühm (drüben), treieck (Dreieck)

 

1.2.7 t --> tendiert in jeder Stellung zu „d“

berschdn (Bürste), wedder (Wetter), ar had (er hat), dochder (Tochter), düschbladdn (Tischplatte), hud (Hut), schaddn (Schatten), reddn (retten), dreihm (trei­ben), driefn (triefen)

 

1.2.8 t --> wird im Inlaut nach „n“ zu „ng“ nasaliert

dronger (darunter), nonger (hinunter), ronger (herunter), hengne (hinten), ungerhen (unterhin), ungne (unten)

 

1.2.9 k --> tendiert im In- und Auslaut zu „g“ (im Anlaut zwischen „k“ und „g“ gesprochen)

hagn (Haken), wergln (werkeln), haggn (hacken), broggn (Brocken), baggn (packen), sagg (Sack), balgn (Balken), egge (Ecke), schinggn (Schinken)

 

1.2.10 k --> tendiert im Inlaut nach „r“ zu „ch“ (wie in „ich“)

neumarchd (Neumarkt), hasdes gemerchd (hast du es gemerkt), barchblatz (Parkplatz), handwercher (Handwer­ker)

 

1.2.11 g --> wird im In- und Auslaut zu „ch“ (wie in „ich“)

a) nach Umlauten: hööch (Hög = Hügel), lüchner (Lügner), treecher (Träger)
b) nach Diphtongen (außer „au“): eichndlech (eigentlich), zeuch (Zeug), feichn (Feigen)
c) nach „e“: weech (Weg), schlodfeecher (Schlotfeger) wechgehn (weg­gehen)
d) nach langem „i“ und in der Endung „-ig“: diecher (Tiger), fliechn (fliegen), drissch (dreißig), kreblich (kreplig = bösartig)
e) nach „r“: ärcher (Ärger), bürchermeisder (Bürgermeister), morchn (morgen)
f) nach „l“: felche (Felge), galchn (Galgen), balch (Balg)

 

1.2.12 g --> wird im In- und Auslaut zu „ch“ (wie in „ach“)

a) nach „au“: auchn (Augen), sauchn (saugen), tauchn (taugen)
b) nach langem „a“: schlaachn (schlagen), fraach ema (frag einmal), plaache (Plage)
c) nach langem „o“: voochl (Vogel), gefloochn (geflogen), trooch (Trog)
d) nach langem „u“: fluuch (Flug), kuuchl (Kugel), schüffsbuuch (Schiffsbug)

 

1.2.13 g --> wird in der Endung „ig“ zu „sch“ (unter Auslassen des „i“)

dreggschd (dreckig), naggschd (nackig), ferrdschd (fertig), zwanzsch stügg (zwanzig Stück), achzsch fennje (achtzig Pfennige), fuffzschmargschein (Fünfzigmarkschein)

 

1.2.14 g --> tendiert im Inlaut nach „i“ zu „j“ (unter Auslassen des „i“)

wehnjer (weniger), hallweje (halbwegs), de gansn köhnje (alle Könige), vorje woche (vorige Woche), mechdjes stügg (mächti­ges Stück), e richjer jung (ein richtiger Jun­ge), billjer (billi­ger), fennje (Pfennige)

 

1.2.15 g --> tendiert im Anlaut vor „l“, „n“ und „r“ leicht zu „k“

kleeser (Gläser), klotzn (glotzen), knade (Gnade), knatzich (gnatzig), krün (grün), krooß (groß), kras (Gras), kleistreieck (Gleisdreieck), krind (Grind)

 

1.2.16 ch (wie in „ich“) --> tendiert im Inlaut vor „e“ zu „j“

weljer (welcher), solje (solche), s gleije (das gleiche)

 

1.2.17 ch (wie in „ich“) --> tendiert (vor allem nach „i“ und „r“) zu „sch“

dursch (durch), schmäschdch (schmächtig), körsche (Kirche), geschischde (Geschichte), niedlisch (niedlich)

 

1.2.18 f --> tendiert im Inlaut zu „w“

geiwer (Geifer), fümwe (fünf), schlawiddchn (Schlafittchen), zwelwe (zwölf)

 

1.2.19 s --> wird im In- und Auslaut zwischen „r“ und „t“ zu „sch“

worschd (Wurst), dorschd (Durst), garschd (Garst = ungezogenes Kind), erschder (Erster), worschdln (wurst­eln), annerschd (anders(t)), bürschde (Bürste)

 

1.2.20 ss --> stimmloses „s“ (wie in „Hass“) wird im In- und Auslaut zu stimmhaftem „s“ (wie in „Gras“)

reisn (reißen), grüsn (grüßen), meisl (Meißel), fleis’ch (fleißig), heis (heiß)

 

1.2.21 z --> wird im In- und Auslaut nach „n“ zu „s“

glänsn (glänzen), dansn (tanzen), glans (Glanz), fransbranndwien (Franzbranntwein), kansl (Kanzel), ransn (Ranzen)

 

1.2.22 m --> wird im Auslaut in unbetonter Silbe zu „n“ (vor allem das Dativ-„m“ wird fast immer zu „n“)

adn (Atem), jedn (jedem), wen isse das (wem ist denn das), den is das (dem ist das), mid blindn eifer (mit blindem Eifer), hindern haus (hinterm Haus), issn mid ihn los (was ist denn mit ihm los), bisn sonndaach (bis zum Sonntag), zu alln sein’ semf darzugehm (zu allem seinen Senf dazugeben), bie mein’n vadder (bei meinem Vater)

 

1.2.23 n --> wird im Inlaut (vor allem vor „f“) zu „m“

mamfred (Manfred), semf (Senf), hamf (Hanf), komfermation (Konfirmation), eimfach (einfach), bombom (Bonbon), umbedingt (unbedingt), hamfl (Handvoll), schiembein (Schienbein), varnümfdch (vernünftig)

 

1.2.24 n --> wird im Auslaut vor „mer“ (steht sowohl für „man“ als auch für „wir“) zu „m“ assimiliert (angeglichen)

kammer (kann man), wemmer (wenn man), simmer (sind wir), kömmer (können wir)

 

1.2.25 n --> wird im Auslaut bei Worten die auf „en“ enden (vor allem nach „b“ und „p“) zu „m“ (oft Auslassen des „b“)

le(b)m (Leben), gra(b)m (graben), schwal(b)m (Schwal­ben), gestor(b)m (gestorben), habbm (Happen), labbm (Lappen), subbm (Suppen), rü(b)m (Rüben), sie(b)m (sie­ben), ne(b)m (neben)

 

1.2.26 n --> wird im Auslaut bei Worten die auf „en“ oder „in“ enden zu „ng“ nasaliert

machng (machen), krachng (krachen), offerheng (aufer­hin = aufwärts), lachng (lachen)

 

1.2.27 n --> wird in den Vorsilben „un“ und „an“ vor „g“ zu „ng“ nasaliert

unggnade (Ungnade), unggerade (ungerade), unggenau (ungenau), unggewiss (ungewiss), ungglügg (Unglück), unggeheuer (Ungeheuer), ungglaublech (unglaublich), anggesichd (Angesicht), anggenehm (angenehm), anggenomm’ (angenom­men)

 

1.3. Diphtonge

 

1.3.1 ei --> wird im An- und Inlaut sowie in der Silbe „bei“ zu langem „i“ (wie in „Liebe“)

fiefn (Pfeife), iesenach (Ei­senach), iesekaal (eiskalt), schwien (Schwein), stried­hamml (Streithammel), wien (Wein), wie­wer (Weiber), zied (Zeit), daderbie (dabei), nien (hinein), frielech (freilich)
[vergl. mhd. zît (Zeit), nâhe bî (nahe bei), strît (Streit), wît (weit), wîp (Weib), bî mîner êre (bei meiner Ehre), swîn (Schwein), schrîben (schrei­ben), pfîfe (Pfeife), drîtûsent (dreitausend)]

 

1.3.2 ei --> wird im Inlaut zu kurzem „i“ (wie in „Ritter“)

ech wiss nech (ich weiß nicht), schmisses wech (schmeiß es weg), schwinnsjung (Schweinsjunge), gizzch (geizig), drissch (dreißig), das is minne (das ist meins), kinner (keiner), klinne (Kleine), sinne mudder (seine Mutter)
[vergl. mhd. mîn (mein), dîn (dein), sîner (seiner)]

 

1.3.3 au --> wird im Inlaut zu langem „u“ (wie in „Kur“)

schnuutzn (Schnauze), suer (sauer), duern (dauern), duusnd (tausend), wallerschhuusn (Waltershausen), schruum (Schrau­be), ärrnhuus (Irren­haus), fuulich (faulig), buer (Bauer), muul (Maul)
[vergl. mhd. bûr (Bauer), sûr (sauer), mûl (Maul), hûs (Haus), tûsent (tausend), vûl-lich (faulig)]

 

1.3.4 au --> wird im Inlaut (vor allem vor „f“) zu kurzem „u“ (wie in „Lust“)

suffn (saufen), huffn (Haufen), schuffl (Schaufel), drussn (draußen), druffn (darauf), bruchmer (brauchen wir), fusd (Faust)
[vergl. mhd. ûflouf (Auflauf), drûf (darauf), schûfel (Schaufel), sûfen (saufen), vûst (Faust)]

 

1.3.5 au --> wird in „auf“ und der Vorsilbe „auf“ zu kurzem „o“ (wie in „hoffen“) mit Tendenz zum kurzen „u“

off dar wiesn (auf der Wiese), offerhing (auferhin), offmachng (aufmachen), bass bloß off (pass bloß auf)

 

1.3.6 au --> wird in „aus“ (allein oder als Vor- bzw. Nachsilbe) zu kurzem „u“ (wie in „Frust“)

ussziehn (ausziehen), russzerrn (herausziehen), ussländer (Ausländer), machs uss (mach es aus), gehd russ (geht raus)
[vergl. mhd. ûzgang (Ausgang), ûzen (außen), ûzsetzic (aussätzig), ûz (aus)]

 

1.4. Umlaute

 

1.4.1 langes ä --> wird in allen Stellungen zu langem „e“

da weermer (da wären wir), seechn (sägen), beern (Bären), ehre (Ähre), scheefchn (Schäfchen), reeder (Räder), gefeeß (Gefäß), schleefe (Schläfe), kreede (Gräte)

 

1.4.2 ö --> tendiert im Inlaut zu kurzem „e“

da kemme (da können wir), heecher (höher), bleede (blöd), schee isses (schön ist es), zwelwe (zwölf), her! (Höre!), offn derfern (auf den Dörfern), fleehe (Flöhe), kreeler (Gröler)
[vergl. mhd. leffel (Löffel), zwelf (zwölf)]

 

1.4.3 ü --> tendiert im An- und Inlaut zu langem „i“ (wie in „Hiebe“)

iewelnehm (übelnehmen), hiem un driem (hüben und drü­ben), grasegrien (grasgrün), driechlehm (Trügleben), driewerwech (drüberweg)

 

1.4.4 ü --> tendiert im Inlaut zu kurzem „i“ (wie in „Licht“)

da missme (da müssen wir), schlissl (Schüssel), kriggn (Krücke), briggn (Brücke)

 

1.5. Seltene Lautverschiebungen

 

e wird zu langem „i“ in: s giehd su hen (es geht so hin), ech kanns nech mehr gesieh (ich kann es nicht mehr sehen)
e wird zu langem „a“ in: gieh har (geh her = komm her)
n wird vor „w“ zu „m“ in: eim(w)andfrei (einwandfrei)
s wird im Inlaut vor „p“ zu „sch“ in: kaschber (Kasper), fuschbrich (fusprig = nervös, aufgeregt), buschbern (buspern = knuspern, knabbern)
v wird zu „b“ in: balaber (Palaver), bulober (Pullover)
w wird zu „m“ in: me(r) wissns doch (wir wissen es doch)
ü wird zu langem „o“ in: for mein’ vadder (für meinen Vater), for was isse das (wofür ist denn das)
eu wird zu kurzem „i“ in: kritz (Kreuz), biddl (Beutel), billn (Beule)
ng wird zu „m“ in: jümferlich (jüngferlich), gans lamsam (ganz langsam)

 

2. Anhängen von Buchstaben

 

2.1 Anhängen eines dumpfen „e“ an Worte, die auf „(e)n“ enden

komm essne (komm essen), das is drussne (das ist draußen), um siemne (um sieben), ohmne (oben), hengne (hinten), drühmne (drüben), drinne (darin), mach hinne (mach hin), viel ze dünne (viel zu dünn), schonne widder? (schon wieder?)

 

2.2 Anhängen von „t“ oder „d“

ehmd (eben), nachnd (nachher), annerschd (anders), öfdersd (öfter), dreggschd (dreckig), nackschd (nackig), besondersd (besonders), ferdschd (fertig), däbbschd (täppisch)

 

3. Einfügen von Buchstaben

 

-d- wodran (woran), wodrüber (worüber), wodrauf (worauf)
-der- dadermid (damit), dadervor (davor), daderdrin (darin), desderwechen (deswegen), daderdrom (darum)
-e- melech (Milch), grasegriehn (grasgrün), iesekaal (eiskalt), sonsdewas (sonstwas)
-l- varsteggln (verstecken), dünschln (tünchen), friemln (pfriemen), biddln (bitten), arwurchln (erwürgen), äuchln (äugen), schrumfln (schrumpfen), matzln (matzen = kleckern)
-n- hefnklöße (Hefeklöße), kiefernordobede (Kieferorthopäde), spaßnshalwer (spaßeshalber)
-r- darheim (daheim), darnach (danach), arleine (alleine), darbie (dabei), rutschrich (rutschig), uss langerweile (aus Langeweile), schwabbern (schwappen), allerweil (alleweil), knüllern (knüllen), knickern (knicken), darzu (dazu), klaggern (klacken), piggern (picken)
-s- midsamsd (mitsamt)

 

4. Auslassen von Buchstaben

 

4.1 Einzelne Vokale

febrar (Februar), baddrie (Batterie), däbbschd (täppisch), närrsch (närrisch), zigredde (Zigarette), abdehge (Apotheke), makkronie (Mak­ka­roni), sterin (Stearin)

 

4.2 Einzelne Konsonanten

mamelade (Marmelade), nehmich (nämlich), iesekaal (eiskalt), mauschelle (Maulschelle), klebich (klebrig), ahmbrod (Abend­brot), e aaler mann (ein alter Mann)

 

4.3 Mehrere Buchstaben oder Buchstabenfolgen

vors jahr (voriges Jahr), dar neesde (der Nächste), namiddaach (Nach­mittag), makrehdnkerche (Margarethenkirche), gadrobe (Garderobe), makrine (Margarine), wehnsdns (wenigstens), goodsch (gothaisch), baggs (Backhaus), nein un naus (hinein und hinaus), mer komm’ au glei nach (wir kommen auch gleich nach), au ema (auch einmal)

 

5. Andere Besonderheiten

 

5.1 Verbinden zweier Worte mit Hilfe eines „Binde-Buchstabens“

ehmdwie (eben wie), wennsde (wenn du), gerammldevoll (gerammelt voll), ehrs dunkl werd (ehe es dunkel wird), diggesadd (dick satt)

 

5.2 Vertauschen von „n“ und „e“ in der Endung „net“, wenn zuvor ein Plosiv („k“, „g“ oder „b“) oder das Frikativ „ch“ steht

ar rechend noch (er rechnet noch), es reechend (es regnet), das eichend sech nech daderfür (das eignet sich nicht dafür), ussgerechend der (ausgerechnet der), s droggend noch (es trocknet noch), se zeichends grad ab (sie zeichnet es gerade ab), ar ebend n weech (er ebnet den Weg)

 

5.3 Kurze Aussprache eigentlich langer Vokale

dinnsdaach (Dienstag - „i“ wie in „Kinn“), varfluchde kisde (ver­fluchte Kiste - „u“ wie in „Flucht“), widder (wieder - „i“ wie in „Rit­ter“), vadder (Vater - „a“ wie in „Wasser“), schonnema (schon einmal - „o“ wie in „konnte“), ar krichds (er kriegt es - „i“ wie in „Licht“), un nunne (und nun - „u“ wie in „Hunne“)

 

5.4 Lange Aussprache des eigentlich kurzen Vokals „a“

hier hinne isses iesekaal (hier drin ist es eiskalt), e aaler mann (ein alter Mann)

 

5.5 Anhängen von „e“ an „ich“, wenn dieses betont wird (zumeist am Satzende stehend)

Un was mach iche? (Und was mache ich?), Wer das nimmd? Na iche! (Wer das nimmt? Na ich!)

 


 

III. Kleine Wortlehre

 

Für das Verständnis der Gothaer Mundart reicht das alleinige Wissen um die Aussprache der Laute keinesfalls aus. Vielmehr ist es ebenso wichtig, die Besonderheiten bei der Bildung und dem Gebrauch der Wörter zu kennen. In dieser kleinen Wortlehre wird versucht, die wichtigsten Unterschiede des Goth’schen zum Hochdeutschen darzustellen.

Bitte beachten sie, dass hier ein Großteil aller möglichen mundartlichen Eigenheitenzusammengetragen wurde. Dies heißt jedoch nicht, dass jeder Mundartsprecher auch alle aufgeführten Besonderheiten gebraucht (und sie zwingend so gebraucht wie hier beschrieben). Vielmehr wird jeder Goth’sche nur einen mehr oder weniger großen Teil davon, stets auch individuell abgewandelt, im Alltag benutzen - zumal viele Eigenheiten mehr und mehr außer Gebrauch sind und drohen, bald gänzlich in Vergessenheit zu geraten.

Zugunsten einer besseren Systematik sind die auftretenden Besonderheiten anhand der allgemein bekannten Wortarten beschrieben. Der Vollständigkeit halber sind auch einige Besonderheiten aufgeführt, die nicht ausschließlich auf das Goth’sche zutreffen, sondern auch in angrenzenden Mundarträumen bekannt sind.

 

1. Das Substantiv

 

1.1 Anhängen von „r“ an Substantive, die im Plural auf „e“ enden

flegger (Flecke), hähner (Hähne), stügger (Stücke), strigger (Stricke), klötzer (Klötze), schleecher (Schläge), näbbfer (Näpfe), reffer (Reffe), dinger (Dinge)

 

1.2 Anhängen der Pluralendung „n“ im Singular bei weiblichen Substantiven, die auf „e“ enden (unter Auslassen des „e“)

enne fliechn (eine Fliege), de schörzn (die Schürze), de hiddschn (die Hitsche = Fußbank), off de schnuutzn (auf die Schnauze), de flaschn (die Flasche), de düdn (die Tüte), in dar stubn (in der Stube), enne keddn (eine Kette), de berschdn (die Bürste)

 

1.3 Verwenden eines anderen Geschlechts als im Hochdeutschen

das flegg (der Fleck), das dodder (der Dotter), das drahd (der Draht), das klotz (der Klotz), der schubbkarrn (die Schubkarre), der bröll (die Brille), der zeh (die Zehe), der kardoffl (die Kartoffel), das sachng (die Sache), die / der huhn (das Huhn), der delefon (das Telefon), die indresse (das Interesse), der bierseidl (das Bierseidel), der voochlbauer (das Vogelbauer), der / die gas (das Gas)

 

1.4 Verschmelzen des deutschen Wortstamms mit der frz. Endung „age“ (meist abwertende Bedeutung)

kledaasche (von „Kleidung“), kittelaasche (von „Kittel“), stellaasche (von „Stellung“ / „Gestell“), fressaasche (von „Fressen“)

 

1.5 Vorsetzen des Wortes „Fatzen-“ (im Sinne von „riesig“ / „mäch­tig“) zur Verstärkung des Sinns

fatznding (Riesending), fatznvieh (Riesenvieh), fatznkerl (Riesenkerl)

 

1.6 Anhängen der mhd. Endung „(i)n“ an weibliche Familiennamen in allen vier Fällen

Wer das dordhier is? Na de müllern. (Wer das dort ist? Na die (Frau) Müller.)
Wen sei jung das is? Dar schmiddn ihrer. (Wessen Junge das ist? Der (Frau) Schmidt ihrer.)
Wen isse das dahier? Das geheerd doch dar berchern. (Wem ist denn das hier? Da gehört doch der (Frau) Berger.)
Wen suchdern? Edwa de krausn? (Wen sucht ihr denn? Etwa die (Frau) Krause?)

 

1.7 Anhängen der Endung „sche(n)“ an weibliche Familiennamen in allen vier Fällen (seltener)

Waren das nech grad de cramersche? (War denn das nicht gerade die (Frau) Cramer?)
Das is doch dar herderschn ihr mann, ge? (Das ist doch (Frau) Herders Mann, oder?)
Mid dar vollradschn duh ech garnech usskomm’. (Mit der (Frau) Vollrath komme ich gar nicht aus.)
Ersd gesdern han ech de müllersche widder gesehn. (Erst gestern habe ich die (Frau) Müller wieder gesehen.)

 

1.8 Anhängen von „n“ an weibliche und männliche Vornamen im Dativ

Ech muss je heude ahmd noch ze gerdan. (Ich muss ja heute abend noch zu Gerda.)
Warsdn gesdern au schonn bei ingridn? (Warst du denn gestern auch schon bei Ingrid?)
Da muss ech erschdema mid bedern red. (Da muss ich erst einmal mit Peter reden.)
Das han ech doch manfredn schonn gegehm. (Das habe ich doch Manfred schon gegeben.)

 

1.9 Anhängen von „n“ an viele männliche Familiennamen in allen vier Fällen (vor allem im Dativ)

Das is doch schelihan dordhier, ge? (Das ist doch (Herr) Scheliha dort, stimmts?)
Ech wiss schonn - wiegandn sinne dochder heiraded. (Ich weiß schon - (Herrn) Wiegands Tochter heiratet.)
Das han ech ortlebbn doch vors jahr erschd rebarierd. (Das habe ich (Herrn) Ortlepp doch voriges Jahr erst repariert.)
Ach, hasdn uthardtn letzdns widder ma gesehn? (Ach, hast du denn (Herrn) Uthardt letzthin wieder einmal gesehen?)

 

2. Das Verb

 

2.1 Einfügen des Hilfsverbs „tun“ zur Bekräftigung

Duhs du das machng? (Machst du das?)
Da duh ech nech hinggeh! (Da gehe ich nicht hin!)
Der duhd sech au nech mehr gerabbl. (Der rührt sich auch nicht mehr.)
Duhs du das noch essn? (Isst du das noch?)
Ech arweid un du duhsd dech ussgeruh? (Ich arbeite und du ruhst dich aus?)

 

2.2 Verwenden der erzählenden Gegenwart für vergangene Ereignisse

Das saachd die mech su eimfach ins gesichd. (Das sagte die mir so einfach ins Gesicht.)
Ech sitz grad da un les, off eima klinglds. (Ich saß gerade da und las, auf einmal klingelte es.)
Kaum bin’ch offgestandn, werds mech schlechd. (Kaum war ich aufgestanden, wurde es mir schlecht.)
Blötzlech duhds hinder mir alle schleecher. (Plötzlich tat es hinter mir alle Schläge.)
Da geh ech doch gesdern dahen. (Da ging ich doch gestern da hin.)

 

2.3 Verwenden des Konjunktivs für bestimmte Redewendungen

Ech hädd da e bewerbchn. („Ich hätte da ein Anliegen.“ statt: „Ich habe da ein Anliegen.“)
Ar bräuchd ema de schlüssl. („Er bräuchte einmal die Schlüssel.“ statt: „Er braucht einmal die Schlüssel.“)
Da weermer. („Da wären wir.“ statt: „Da sind wir.“)
Das häddme. („Das hätten wir.“ statt: „Das haben wir.“)

 

2.4 Ersetzen von „i“ durch „e“ bei Verwendung des Imperativs

werfs wech (wirf es weg), geb her (gib her), ess jetze (iss jetzt), les dassema (lies das einmal), vargess das nech (vergiss das nicht), sprech ordnlech (sprich ordentlich!), nehm dech was (nimm dir etwas)

 

2.5 Auslassen der Endung „en“ bei Infinitiven (vor allem am Satzende)

Wer wedd will, will beschiss. (Wer wetten will, will bescheißen.)
Das wollme jetz wiss. (Das wollen wir jetzt wissen.)
Willsdn das au noch ess? (Willst du das auch noch essen?)
Da müssme was mach. (Da müssen wir etwas machen.)
Ech muss heud au noch fahr. (Ich muss heute auch noch fahren.)

 

2.6 Wegfall der Endung „et“ beim Bilden des Partizips

Ar had sech erkäld. (Er hat sich erkältet.)
Das kosd mir donnüschd. (Das kostet mich doch nichts.)

 

2.7 Vertauschen von zwei am Satzende aufeinanderfolgenden Verben mit Wegfall der Endung „en“

Wennsdes nech willsd hab. (Wenn du es nicht haben willst.)
Wennes nech kann mach. (Wenn er es nicht machen kann.)
Das musse sech schonn lass saach. (Das muss sie sich schon sagen lassen.)

 

2.8 Vorsetzen der mhd. Vorsilbe „ge“ vor Infinitive, bzw. Einschieben zwischen Vorsilbe und Infinitiv, mit Wegfall der Endung „en“

Da kammer au gud digg dervon geweer. (Da kann man auch gut dick davon werden.)
Wie ofd sollchs dechn noch gesaach? (Wie oft soll ich es dir denn noch sagen?)
Ech kanns nech mehr geheer un nech gesieh! (Ich kann es nicht mehr hören und sehen!)
Da musse ehm den karrn russgefahr. (Da muss er eben den Karren herausfahren.)
Das kamme je nech ussgehald. (Das kann man ja nicht aushalten.)
[vergl. mhd. gerennen (rennen), geschüten (schütten), gesagen (sagen), gerëchenen (rechnen), gemachen (machen)]

 

2.9 Folgt am Satzende auf einen Infinitiv mit Vorsilbe ein einfacher Infinitiv, so wird die Vorsilbe vom ersten Verb getrennt und vor das zweite Verb gesetzt, welches dann an die erste Stelle rückt (zugleich verlieren beide Verben die Endung „en“)

Da müssme uns was einlass fall. (Da müssen wir uns etwas einfallen lassen.)
Da werme nech hinkenn geh. (Da werden wir nicht hingehen können.)
Das wirdse dann russmüss duh. (Das wird sie dann heraustun müssen.)

 

2.10 Beibehalten der Infinitiv-Endung „(e)n“ beim Bilden des Partizips Perfekt

Bie uns wird immern sammsdaach gebadn. (Bei uns wird immer am Samstag gebadet.)
De ambl dordhier war letzdns annerschder geschaldn. (Die Ampel dort war letzthin anders geschaltet.)
Die worschd dahier is selbsdgeschlachdn. (Die Wurst hier ist selbstgeschlachtet.)

 

2.11 Einfügen von „l“ zur Verniedlichung der Bedeutung

matzln (matzen = kleckern), abtroggln (abtrocknen), zussln (zausen, zupfen), varsteggln (verstecken), friemln (pfriemen), biddln (bitten), arwurchln (erwürgen), schrumfln (schrumpfen), knirschln (knirschen)

 

3. Das Adjektiv

 

3.1 Beibehalten des Wortstamms bei der Komparation (Steigerung)

in der ersten Steigerungsstufe: hoch - höcher - am höchsdn (statt: höher)
in der zweiten Steigerungsstufe: de mehrschde zied (die meiste Zeit) (statt: meiste)

 

3.2 Ersetzen von „sehr“ durch Vorsetzen von Adverbien zum Verstärken oder Übertreiben der Bedeutung

buddlwarm (buddelwarm - sehr warm), gieglsüß (giekelsüß - sehr süß), blitzbleede (blitzblöd - sehr blöd), mordsgefährlech (mordsgefährlich - sehr gefährlich), rumblhard (rumpelhart - sehr hart), quaddschnass (quatschnass - sehr nass)

 

3.3 Verwenden von Pleonasmen (Häufung von Wörtern ähnlicher Bedeutung) zum Verstärken der Bedeutung

kochledergar (gar wie gekochtes Leder), iesekaal (eiskalt - kalt wie Eis), dreischnass (treischnass - triefend nass), braddschebreid (pratschbreit - breit wie Pratsch = Brei), kitzegrau (grau wie ein Kitz = Junges von Reh und Ziege), schneggefedd (schneckefett - fett wie eine Schnecke)

 

3.4 Erhalten der alten Endung „icht“ (im Hochdeutschen meist durch „ig“ ersetzt)

dreggschd (dreckig), nackschd (nackig), ferdschd (fertig), neblichd (neblig), wolgichd (wolkig)

 

3.5 Bildung von (im Hochdeutschen nicht existierenden) Adjektiven durch Anhängen von „ig“ oder „lich“

neuch (neuig = neu), wudich (wutig = wütend), wärmlich (wärmlich = lauwarm), läufich (läufig = halbflüssig), gummirich (gummirig = gummiartig), leidich (leidig = leidend), glänserich (glänzend), alberich (alberig = albern)

 

4. Das Numeral

 

4.1 Anhängen von „e“ an die Kardinalia auf die Frage nach der Uhrzeit

um einse, zweie, dreie, ... , zehne, elwe, zwelwe (um eins, zwei, drei, ... , zehn, elf, zwölf)
auf die Frage nach der Menge oder beim Zählen: es sin zweie, dreie, ... , zehne, elwe, zwelwe (es sind zwei, drei, ... , zehn, elf, zwölf)

 

5. Die Präposition

 

5.1 Ersetzen von „zu“ durch „bei“ in Antworten auf die Fragen „Wohin?“ und „Zu wem?“

Da weerme ma bei dein’ vadder hinmüss geh. (Da werden wir mal zu deinem Vater hingehen müssen.)
Ech geh nochema bei manfredn hin. (Ich gehe noch mal zu Manfred hin.)
[vergl. mhd. bî mînen zîten (zu meinen Zeiten)]

 

5.2 Vermeiden des Genitivs und Ersetzen durch den Dativ oder Behelf mit „von“

ungerhalb von den hang kammes geseh (unterhalb von dem Hang ... statt: unterhalb des Hanges ...)
nech weid von den haus stehd e baum (nicht weit von dem Haus ... statt: unweit des Hauses ...)
s is doch weechn den schild dahier (es ist doch wegen dem Schild ... statt: es ist doch wegen des Schildes ...)
weechn den sein’ bruder warme da (wegen dem seinem Bruder ... statt: wegen seines Bruders ...)
währndn essn werd nech gekneddschd (während dem Essen ... statt: während des Essens ...)
außerhalb von den mauern dar stadt (außerhalb von den Mauern ... statt: außerhalb der Mauern ...)
weechn mir kanne geh wohinne will (wegen mir kann er gehen ... statt: meinetwegen kann er gehen ...)

 

6. Die Konjunktion

 

6.1 Ersetzen von „als“ durch „wie“ bei der Komparation (Steigerung)

Se is viel gröser wie er. (Sie ist viel größer als er.)
Das kannch viel besser wie die. (Das kann ich viel besser als die.)
Ar is noch dümmer wie dumm. (Er ist noch dümmer als dumm.)
Fahrn is besser wie laufn, ge? (Fahren ist besser als Laufen, stimmts?)

 

6.2 Ersetzen von „als“ durch „wo“ oder „wie“

Wo / wie se in orlaub warn, hamme au offs haus offgebassd. (Als sie im Urlaub waren, haben wir auch auf das Haus aufgepasst.)
Un wo ars endlech wolld wiss, had se dumm gedahn. (Und als er es wissen wollte, hat sie sich dumm gestellt.)
Wieme den beddl midnehm’ wolldn, ware wech. (Als wir den Krempel mitnehmen wollten, war er weg.)
Wie ech heude morchn nachn audo wolld geguck, stands nech mehr da. (Als ich heute morgen nach dem Auto gucken wollte, stand es nicht mehr da. )

 

6.3 Auslassen eines Teils der Konjunktion

Dadurch mer früer gegang’ sen, warme au ehr da. (Dadurch dass wir früher gegangen sind, waren wir auch eher da.)
Staddse jetze gehn, wenn nonne bahn fährd. (Anstatt dass sie jetzt gehen, wenn noch eine Bahn fährt.)

 

7. Das Adverb

 

7.1 Verwenden als Adjektiv durch Anhängen der Endung „e/-r/-s/-n“

durcher keese (der Käse, der durch ist), zues fensder (ein Fenster, das zu ist), e extraes stügg (ein Stück extra), wehes bein (ein Bein, das weh tut), de zuvielen quiegser (die Brötchen, die zuviel sind), varkehrdrumme neun (eine Neun, die verkehrt herum ist, d.h. eine Sechs), e abbes bein (ein Bein, das ab ist)

 

7.2 Wegfall der Vorsilben „he“ und „hi“ bei Ortsadverbien

rinder (herinter), ronger (herunter), raus (heraus), rum (herum), nein (hinein), nauf (hinauf), nunder (hinunter), nüwer (hinüber), naus (hin­aus)

 

7.3 Wörter mit „-wärts“ werden statt mit „weiter ...“ durch Anhängen der Endung „er“ kompariert

hochwärdser (eigentlich: weiter hochwärts), seidwärdser (eigentlich: weiter seitwärts), abwärdser (eigentlich: weiter abwärts)

 

8. Das Pronomen

 

8.1. Das Personalpronomen

 

8.1.1 Ersetzen des Dativs durch den Akkusativ, d.h. „mir“ wird zu „mich“ und „dir“ zu „dich“

geb mech das jetz her (gib mir das jetzt her), da mussch mech was einlass fall (da muss ich mir etwas einfallen lassen), das is mech worschd (das ist mir Wurst), das bassd mech awer nech (das passt mir aber nicht), ech zeichs dech (ich zeige es dir), das kann dech doch egal gesie (das kann dir doch egal sein), s gefälld dech wo nech (es gefällt dir wohl nicht), mach dech ne bladdn (mach dir einen Kopf, lass dir was einfallen)

 

8.1.2 Ersetzen des Akkusativs durch den Dativ, d.h. „dich“ wird zu „dir“

Nehms eimfach mid, s kosd dir donnüschd. (Nimm es einfach mit, es kostet dich doch nichts.)
Foodn wech, dahier das gehd dir garnüschd an. (Pfoten weg, das hier geht dich garnichts an.)

 

8.1.3 Hinzufügen eines Personalpronomens im Dativ oder Akkusativ zum Verb

a) als Zeichen lebhafter Anteilnahme:
Du wersd mir / mech donnech edwa krank geweer? (Du wirst doch nicht etwa krank werden?)
Gehd mir / mech nech ze weid wech. (Geht nicht zu weit weg.)
b) zur Einbeziehung des Angesprochenen:
Das war dir / dech veleichd e draasch. (Das war vielleicht ein Ärger.)
Na das war dir / dech jetz awer e ding, ge!? (Na das war jetzt aber ein Ding, was?!)
Da han ech dir / dech gar kinne zied darzu. (Da habe ich gar keine Zeit dazu.)

 

8.2. Der Artikel

 

8.2.1 Ersetzen des Akkusativs durch den Dativ bei weiblichen Substantiven

Das kosd’ dar stadt doch bestümmd nüschd. (Das kostet die Stadt doch bestimmt nichts.)
Da gehnse eimfach immer dar marchdstraßn lang. (Da gehen sie einfach immer die Markstraße entlang.)
Das gehd der aldn doch wo garnüschd an. (Das geht die Alte doch wohl garnichts an.)
Geh schonnema dar stuhm nien. (Geh schon einmal (in) die Stube hinein.)

 

8.2.2 Vorsetzen des bestimmten Artikels vor Vornamen

Dar ingo is dahengne. (Ingo ist dahinten.)
De dani will jetz gehn. (Dani will jetzt gehen.)
Dar andreas had das doch gesaachd. (Andreas hat das doch gesagt.)

 

8.3. Das Possessivpronomen

 

8.3.1 Ersetzen des Genitivs „meines / deines / seines / ihres / unseres“ (im Singular) sowie „meiner / deiner / seiner / unserer / ihrer“ (im Plural) durch „von + Dativform“

dar sohn von mei’m / dei‘m / sei’m / ihr’m / unserm bruder (der Sohn meines / deines / seines / ihres / unseres Bruders)
das Haus von mein’ / dein’ / sein’ / ihr’n / unsern eldern (das Haus meiner / deiner / seiner / ihrer / unserer Eltern)

 

8.4. Das Relativpronomen

 

8.4.1 Ersetzen des Genitivs „dessen“ durch den Dativ „dem sein(e)“

dem sein hund wars (dessen Hund war es), dem seine kinder sin das (dessen Kinder sind das), dem seine sorchn will ech hab (dessen Sorgen will ich haben)

 

8.4.2 Ersetzen des Genitivs „deren“ durch den Dativ „der ihr(e)“

der ihr bruder wars (deren Bruder war es), der ihr haus isses (deren Haus ist es), der ihre schwester is da (deren Schwester ist da)

 

8.5. Das Interrogativpronomen

 

8.5.1 Ersetzen des Genitivs „wessen“ durch den Dativ „wem sein“ („m“ wird dabei im Auslaut zu „n“)

Wen sei haus issn das? (Wessen Haus ist denn das?)
Wen sei zeuch liechde dahier rum? (Wessen Zeug liegt denn hier herum?)

 

8.5.2 Ersetzen fast aller mit „wo“ beginnenden Fragewörter durch Anhängen von „was“ an den hinteren Wortteil des Fragewortes

ze was bruchdern das (wozu braucht ihr denn das), in was ware das (worin war denn das), for was isse der (wofür ist denn der), uss was machmen das (woraus machen wir denn das), bei was warnsn (wobei waren sie denn), durch was mussn die (wodurch muss die denn), under was stehde das (worunter steht denn das), nach was komm’ sen (wonach kommen sie denn), mid was haddsn anggefang’ (womit hat es denn angefangen), off was müssmen geachd (worauf müssen wir denn achten), an was ware das (woran war den das), nach was suchdern (wonach sucht ihr denn), üwer was denksdn nach (worüber denkst du denn nach)

 

8.5.3 Ersetzen von „warum“ durch „was“

Was bisdn au nech ehr gekomm’? (Warum bist du denn auch nicht eher gekommen?)
Was machsdn das iewerhaubd? (Warum machst du denn das überhaupt?)
Was sinnen die immer noch hier? (Warum sind denn die immer noch hier?)

 

8.5.4 Auslassen der Fragewörter „was“ und „wo“ am Anfang einer Frage

Machs du enn hier? (Was machst du denn hier?)
Suchsdn da ungne? (Was suchst du denn da unten?)
Issän jetz schonn widder? (Was ist denn jetzt schon wieder?)
Fahrdern n sonndaach hin? (Wo fahrt ihr denn am Sonntag hin?)
Warsdn solange? (Wo warst du denn solange?)
Wolldn hinggeh? (Wo wollt ihr denn hingehen?)

 

8.5.5 Einfügen von „dass“ in indirekten und verkürzten Fragesätzen

Frach mech nech, wie ofd dassch schonn dord war. (Frag mich nicht, wie oft ich schon dort war.)
Was meindern, dass dabei russgekomm’ is? (Was meint ihr denn, was dabei herausgekommen ist?)
Warum dassch nech gekomm’ bin? (Warum ich nicht gekommen bin?)

 

8.6. Das Demonstrativpronomen

 

8.6.1 Ersetzen des Genitivs „dessen“ durch die Dativformen „dem sein“ oder „von dem“

Der wansd, dem seine schuld das war, is au glei abgehaun. (Der Junge, dessen Schuld das war, ist auch gleich abgehauen.)
Das haus, von dem de mauern krün gedüncherd sen, isses ärrnhuus. (Das Haus, dessen Mauern grün getüncht sind, ist das Irrenhaus.)

 

8.6.2 Ersetzen des Genitivs „deren“ durch die Dativformen „der ihre“ oder „von der“ (im Singular) bzw. „der ihr“ oder „von denen“ (im Plural)

Die katze, der ihre dabbsn dahier offn düsch sin, arschlaach ech. (Die Katze, deren Tapsen hier auf dem Tisch sind, erschlage ich.)
Die schwinnsmatzn, von denen der krehdsch dordhier is, sin wech. (Die Halunken, deren Krempel das dort ist, sind weg.)

 

8.6.3 Wiederholen des Demonstrativpronomens bei Flüchen

Der elende hund der! (Der elende Hund!), Die elenden viechder die! (Die elenden Viecher!), Das aale luder das! (Das alte Luder!)

 

9. Andere Besonderheiten

 

9.1 Aussprache von „haben“ und „habe“ als „han“

Das han ech dech doch glei gesaachd. (Das habe ich dir doch gleich gesagt.)
Mer hans je nech gewussd. (Wir haben es ja nicht gewusst.)
[vergl. mhd. sie wolden hân (sie wollten haben), ich hân (ich habe)]

 

9.2 Erhalt des ahd. Genitiv Singular von „es“ (sîn = seiner) un­ter Auslassen des „i“ (veraltend)

Jetz han ech sn sadd. (Jetzt habe ich seiner (es) satt.)
Ar haddsn sadd. (Er hat seiner (es) satt.)

 

9.3 Bilden unvollständiger Sätze

Ein dregg das! (Ein Dreck ist das!)
E deurer spaß das! (Ein teurer Spaß ist das!)

 

9.4 Verwendung von Pleonasmen (Häufung sinnverwandter Ausdrücke) zur Verstärkung der Aussage

grad jetz ehm erschd (gerade jetzt eben erst), grad nech momendan sein (gerade nicht momentan sein)

 

9.5 Doppelte Verwendung von „es“ durch Vorsetzen vor das Personalpronomen „du“

Ech wiss nech, obs dus willsd. (Ich weiß nicht, ob (es) du es willst.)
Ar nimmds, wennsdes nech willsd hab. (Er nimmt es, wenn (es) du es nicht haben willst.)

 

9.6 Anhängen von „wie“ bei Verwendung von „bis“

Mer gehn nech ehr hier wech bis wieme das habm. (Wir gehen nicht eher hier weg, bis wir das haben.)

 

9.7 Häufiger Gebrauch der Diminutivform „-chen“

Willsdn käffchn? (Willst du einen Kaffee?), mach sachdchn (mach sachte), Giesema de blümchn! (Gieß einmal die Blumen!), de gansn leudchn (alle Leute), Was stehde im bläddchn? (Was steht denn im Blatt = Zeitung?), ar is müdchn (er ist müde)

 


 

Die ausführliche Fassung des obenstehenden Aufsatzes finden Sie im „Kleinen Wörterbuch Goth'sch“.
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