Die Gothaer Sagen / De goodschn Saachn

 

 

Der Sage nach verdankt Schloss Friedenstein in Gotha seine beiden unterschiedlichen Türme der Unfähigkeit späterer Baumeister, die geniale Originalkonstruktion der Schlosserbauer nachzuvollziehen. So erhielt der durch einen Brand zerstörte Westturm statt einer gewölbten Haube beim Wiederaufbau nur ein schlichtes Spitzdach.

 

Seit alters her regen Sagen die Phantasie der Menschen an. Oft schon über lange Zeiten vom Volksmund überliefert, von jedem Erzähler immer wieder ein wenig verändert und neu ausgeschmückt, haben sie bis heute nichts von ihrem geheimnisvollen Reiz, ihrem urwüchsigen Charme und Zauber eingebüßt. Ludwig Bechstein, der bekannteste deutsche Sagensammler, nannte sie einst die „Wunderblumen des Volkes“ – verschmelzen in ihnen doch Aberglauben, Wünsche, reale Erlebnisse und phantastische Begebenheiten auf eine ganz eigene, zuweilen geradezu abenteuerliche Art und Weise.

Die Gothaer Sagen können durchaus als kleine Kostbarkeit in dem überreichen Sagenschatz des Thüringer Landes gelten. So finden sich in ihnen nicht nur solch illustre historische Persönlichkeiten wie Sankt Gotthard, der Reformator Martin Luther, der Schwarzkünstler Doktor Faust, der Schwedenkönig Gustav Adolf oder der französische Kaiser Napoleon Bonaparte, sondern es tummeln sich darin auch zahlreiche Gestalten aus der germanischen Mythologie und dem Aberglauben des einfachen Volkes: die Göttin Freya alias Frau Holle, die Druden genannten Nachtmahre, Poltergeister, eine Weiße Frau und natürlich auch der Teufel.
 
Die Überlieferungen entführen an unheimliche Orte wie die Verhexten Erdfälle oder die Schwarze Pfütze, erzählen von verborgenen Schätzen und blutigen Hinrichtungen und geben Kunde von wundertätigen Quellen. Sie erklären, warum Schloss Friedenstein zwei unterschiedliche Türme besitzt und auch, weshalb das Pestpförtchen seit mehr als 400 Jahren vermauert ist und selbst heute nicht geöffnet werden darf. Zeitlich schlagen die Sagen dabei einen weiten Bogen über nahezu anderthalb Jahrtausende Gothaer Geschichte: von den legendären Goten als Stadtgründern um das Jahr 500 bis hin zum Weißen Bunnen, in dem Frau Holle die noch ungeborenen goth’schen Kinder hütete, im späten 19. Jahrhundert.

Ihre ganze Originalität und ihren durchaus etwas derberen Charme entfalten die Sagen, wenn sie, ganz direkt und ungekünstelt, in goth’scher Mundart erzählt werden. Hier sind sie erstmals mit Bildern illustriert vom Gothaer Maler und Zeichner Kai Kretzschmar. Klicken Sie einfach auf den gewünschten Titel und haben Sie Spaß am Lesen und Anschauen!
 

 

 

 


 

Getreu der alten Volksweisheit „Was man Schwarz auf Weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen“, können Sie alle hier vorgestellten 39 Sagen aus der Residenzstadt auch käuflich erwerben. Und im Buch „Die Gothaer Sagen / De goodschn Saachn“ gibt es die Überlieferungen nicht nur „off echd Goodsch“, sondern auch auf Hochdeutsch.

 

Übrigens: Seit 2010 präsentieren die beiden goth'schen Originale Hänser & Schluder in ihrer beliebten Führung „Sagenhafte Innenstadt“ einen Gutteil der Gothaer Sagen – amüsant, spannend und natürlich „off echd Goodsch“. Näheres dazu erfahren Sie hier!

 

 
Das goth'sche Original Schluder bei der Lektüre der Gothaer Sagen.
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