Goth’sche Schimpfwörter

Die beiden fiktiven goth'schen Originale Hänser & Schluder sind „Meister Matz“ im Schimpfen.
Alle Menschen schimpfen. Schimpfwörter zu ersinnen und zu gebrauchen scheint geradezu ein naturgegebenes Bedürfnis zu sein, bei dem der Mensch eine einzigartige Kreativität entfaltet. Wie auch immer man ihren Gebrauch moralisch bewerten mag – Schimpfwörter sind ein Teil unserer Sprachkultur und daher wert, aufgezeichnet, untersucht und bewahrt zu werden. Neben den allgemein bekannten Schimpfwörtern faszinieren besonders die mundartlichen, oft nur regional bekannten Schöpfungen. Mit ihrer urwüchsigen Originalität und ihrem Einfallsreichtum sind sie das wahrscheinlich getreueste Spiegelbild des Volkscharakters überhaupt.
Hier soll ein Überblick über den reichen Gothaer Schimpfwortschatz gegeben und gezeigt werden, wie kraft- und phantasievoll die Goth’schen in ärgerlichen Situationen auf andere Personen reagieren können. Die Palette der verwendeten Wörter reicht dabei vom harmlosen, gutgemeinten Spott bis zur sehr derben Beschimpfung. Wirklich „echt goth’sch“, das heißt, ausschließlich auf die Stadt Gotha beschränkt, ist mit Sicherheit nur ein Teil der verzeichneten Schimpfwörter. Die Mehrzahl von ihnen ist vor allem auch im näheren ländlichen Raum bekannt. Darüber hinaus waren und sind etliche Schimpfwörter (in unterschiedlichsten Aussprachevarianten) auch in angrenzenden Mundarträumen gebräuchlich.
Es sei ausdrücklich betont, dass diese Auflistung keinesfalls als Aufforderung oder gar Anleitung zum Schimpfen gedacht ist. Mit dem dazugehörigen Aufsatz „Goth'sch schimpfen - aber richtig!“, der eine Einführung in das sprachliche Phänomen „Schimpfen“ und eine detaillierte Untersuchung zu Ursprung, Aufbau und Gebrauch der goth’schen Schimpfwörter gibt, will sie bewusst über eine bloße, unkommentierte Wortsammlung hinausgehen und einen ernsthaften Beitrag zur Gothaer Mundartforschung leisten.
Die Stichworte sind alphabetisch geordnet und zugunsten einer besseren Systematik in der Regel in verhochdeutschter Form angesetzt (vor allem die in der Aussprache mit „d“, „f“, „b“ oder „g“ beginnenden Wörter sind zumeist unter „t“, „pf“, „p“ und „k“ zu suchen). Lediglich in Ausnahmefällen (wenn die verhochdeutschte Form zu sehr von der mundartlichen Aussprache abweicht) wurde ein dialektaler Stichwortansatz gewählt. Mit einem Klick auf den gewünschten Buchstaben gelangen Sie zur Liste der entsprechenden Schimpfwörter.

Da die meisten Schimpfworte jedoch längst nicht so ernst gemeint sind, wie sie vielleicht klingen, vertragen sich die beiden „goth'schen Guschen“ auch schnell wieder.
A
Amdiller [amdiller] m.; Sing. = Pl.
* Vollidiot, Blödmann
* von der genuschelten Aussprache des Wortes „Amtsschüler“ als veraltete Bezeichnung für die lernschwachen Hilfsschüler (?)
* sehr derb
Arschgippchen [arschgibbchn] s.; Sing. = Pl.
* Blödmann, Trottel, Idiot
* zu mdl. „Gippchen“ (Küken)
* sehr derb, zumeist unter Kindern
Assiwanst [assiwansd] m.; Pl. ~wänst(er)
* dreckiges, schlampiges Kind
* von „asozial“ und mdl. „Wanst“ (Balg, Göre)
* sehr derb
B
Bambel [bambl] m.; Sing. = Pl.
* Trottel, Dummkopf
* zu mdl. „bambeln“ (baumeln, schlenkern)
* derb, zumeist in der Redewendung „für jmd. den ~ machen“
Bauernknüttel [bu-ern-kniddl] m.; Sing. = Pl.
* Bauer, ungehobelter Mensch ohne Manieren
* zu hochdt. „Knüttel“ (derber Stock)
* derb
Beschmuer [be-schmu-er] m.; Sing. = Pl.
* Betrüger
* zu rotw. „schmu“ (Betrug, Unkorrektheit) und „beschummeln“
* scherzhaft, fast ausschließlich unter Kindern
Bläkarsch [bleegarsch] m.; Pl. ~ärscher
* Schreihals
* zu mdl. „bläken“ (lauthals weinen, schreien), das auf mhd. „blecken“ [(besonders Zähne) zeigen, sichtbar werden lassen] beruht
* sehr derb, auch scherzhaft sowohl für Kinder als auch Erwachsene
Bläkmatz [bleegmatz] m.; Pl. ~en
* jmd. der lauthals schreit oder weint
* zu mdl. „bläken“ (lauthals weinen, schreien) und mdl. „Matz“ [(kleiner) Kerl]
* derb, oft auch scherzhaft sowohl für Kinder als auch Erwachsene
Bläkschwein [bleegschwien] s.; Pl. ~e
* Schreihals
* zu mdl. „bläken“ (lauthals weinen, schreien)
* derb, oft auch scherzhaft sowohl für Kinder als auch Erwachsene
Bläkwanst [bleegwansd] m.; Pl. ~wänst(er)
* laut schreiendes oder weinendes Kind
* zu mdl. „bläken“ (lauthals weinen, schreien) und mdl. „Wanst“ (Balg, Göre)
* derb, auch scherzhaft
C
Für diesen Buchstaben liegen keine Einträge vor.
D
Demmelschwein [demmlschwien] s.; Pl. ~e
* jemand, der tritt und mit den Füßen stößt
* zu mdl. „demmeln“ (heftig mit den Füßen treten)
* derber, auch scherzhaft, zumeist unter Kindern
Dolderer [dolderer] m.; Sing. = Pl.
* jmd. der stolpert und torkelt, bzw. ziellos umherläuft
* zu mdl. „doldern“ (stolpern, torkeln)
* scherzhaft
Dreckgusche [dregg-gusche] w.; Pl. ~n
* Kind mit sehr dreckigem Mund
* zu mdl. „Gusche“ (Mund)
* derber, auch scherzhaft
Dreckmatz [dreggmatz] m.; Pl. ~en
* Schmutzfink, dreckiges Kind
* zu mdl. „Matz“ (Ferkel, Dreckspatz), das auf germ. „masta“ (Fett) beruht
* zumeist scherzhaft
Dreckmatz [dreggmatz] m.; Pl. ~en
* elender Kerl, Schweinehund, Gauner
* zu mdl. „Matz“ [(kleiner) Kerl]
* derb
Dreckschmor [dregg-schmoor] m.; Pl. ~e
* sehr dreckiges Kind, Schmutzfink
* zu mdl. „Schmer“ (Fett) (?)
* veraltet, scherzhaft
Dreckskrepel [dreggskrebl] m.; Sing. = Pl.
* bösartiger Mensch, unangenehmer Kerl
* zu mdl. „Krepel“ (Kerl), das auf mhd. „krüepel“ beruht, vergl. auch hochdt. „Krüppel“
* sehr derb
Dreck(s)wanst [dregg(s)wansd] m.; Pl. ~wänst(er)
* unsympathisches, ungezogenes, dreckiges Kind
* von mdl. „Wanst“ (Balg, Göre)
* sehr derb
Dummbeutel [dummbiddl] m.; Sing. = Pl.
* Dummkopf, Blödmann
* derb
Dummditz [dummditz] m.; Pl. ~e
* Blödian, Idiot
* zu mdl. „Ditz“ (vulgär für weibliche Brust), das auf germ. „tit“ (Zitze, Brustwarze) beruht, vergl. auch engl. „titts“ (Brüste)
* sehr derb
Dürrlender [dürrlender / dörrlender] m.; Sing. = Pl.
* schmächtige Person, Hänfling
* von „dürr“ und „Lenden“
* scherzhaft
E
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F
Fitzschwein [fitzschwien] s.; Pl. ~e
* jmd. der andere zwickt und kneift
* zu mhd. „phëtzen“ (kitzeln, zupfen, zwicken)
* scherzhaft, fast ausschließlich unter Kindern
Fläz [fleez] m.;Pl. ~e
* fauler Kerl
* zu „fläzen“
* eher scherzhaft
Flederwisch [flederwisch] m.; Pl. ~e
* Flittchen, Schlampe
* nach dem gleichnamigen Federbüschel (einst ein Gänseflügel) zum Staubwischen
* veraltet, sehr derb
Fletschkasper [fleddsch-kaschber] m.; Sing. = Pl.
* jmd. der viel grinst, Grimassenschneider
* zu mdl. „fletschen“ (grinsen)
* derb, oft auch scherzhaft
Flöhhahn [flö-hahn] m.; Pl. ~hähne(r)
* Dummkopf
* (?)
* eher scherzhaft
(böses) Fressen [biäses fressn] s.; Sing. = Pl.
* bösartige Frau
* derb, auch scherzhaft
Fressmatz [fressmatz] m.; Pl. ~en
* Fresssack, Vielfraß
* von „fressen“ und mdl. „Matz“ [(kleiner) Kerl]
* scherzhaft
G
Gackelheini [gagglheini] m.; Pl. ~s
* Kind, das gerne Unfug treibt
* zu mdl. „gackeln“ (Unfug treiben, Blödsinn anstellen), das auf mhd. „goukeln“ (Possen reißen, Zauberei treiben, gaukeln) beruht
* scherzhaft
Gackelmatz [gagglmatz] m.; Pl. ~en
* Kind, das gerne Blödsinn anstellt
* zu mdl. „gackeln“ (Unfug treiben, Blödsinn anstellen) und mdl. „Matz“ [(kleiner) Kerl]
* scherzhaft
Gackelschwein [gagglschwien] s.; Pl. ~e
* Kind, das gerne Unfug anstellt
* zu mdl. „gackeln“ (Unfug treiben, Blödsinn anstellen)
* scherzhaft
Gäckermatz [gäggermatz] m.; Pl. ~en
* Plappermaul, Kind das störend schwatzt und kichert
* zu mdl. „gäckern“ (kichern, schwatzen) und mdl. „Matz“ [(kleiner) Kerl]
* scherzhaft
Gaksschwein [gaags-schwien] s.; Pl. ~e
* jmd. der mit lauter und unangenehmer Stimme ruft, bzw. herumquakt
* zu mdl. „gaksen“ (mit lauter und unangenehmer Stimme rufen, quaken), das auf mhd. „gagzen“ (gackern) beruht
* scherzhaft
Gärmichel [gehrmichl] m.; Sing. = Pl.
* Quatschkopf
* zu mdl. „Gär“ (dummes Gerede, Geschwätz)
* veraltend, eher scherzhaft
Gärschwein [gehrschwien] s.; Pl. ~e
* Dummschwätzer
* zu mdl. „Gär“ (dummes Gerede, Geschwätz)
* sehr derb, auch scherzhaft
Gärsuse [gehrsuse] w.; Pl. ~n
* Frau, die gern und viel dummes Zeug schwatzt
* zu mdl. „Gär“ (dummes Gerede, Geschwätz)
* meist scherzhaft
Gargarst [gargarschd] m.; nur Sing.
* sehr ungezogenes, böses Kind, Tunichtgut
* zu „garstig“
* veraltet, eher scherzhaft
Garst [garschd] m.; nur Sing.
* ungezogenes, böses Kind, Tunichtgut
* zu „garstig“
* veraltend, eher scherzhaft
Geigelhenner [geichlhenner] m.; Sing. = Pl.
* Junge, der gerne Unfug treibt
* zu mdl. „geigeln“ (Blödsinn anstellen, Unfug treiben), das auf mhd. „goukeln“ (Possen reißen, Zauberei treiben, gaukeln) beruht, und dem Vornamen „Henner“ (Heinrich)
* scherzhaft, auch für Erwachsene
Geigelmatz [geichlmatz] m.; Pl. ~en
* Junge, der gerne Unsinn anstellt
* zu mdl. „geigeln“ (Blödsinn anstellen, Unfug treiben) und mdl. „Matz“ [(kleiner) Kerl]
* scherzhaft, auch für Erwachsene
Geigelschwein [geichlschwien] s.; Pl. ~e
* jmd. der gerne Unfug anstellt
* zu mdl. „geigeln“ (Blödsinn anstellen, Unfug treiben)
* zumeist scherzhaft, sowohl für Kinder als auch Erwachsene
Geizbeutel [gizzbiddl] m.; Sing. = Pl.
* Geizhals
* derb, auch scherzhaft
Geizknochen [gizzknochng] m.; Sing. = Pl.
* Geizkragen
* derb, auch scherzhaft
Geizkralle [gizzkralle] w.; Pl. ~n
* Geizhals
* derb, auch scherzhaft
Gieksschwein [giegs-schwien] s.; Pl. ~e
* jmd. der mit lauter, spitzer Stimme kreischt
* zu mdl. „gieksen“ (einen hohen, spitzen Schrei ausstoßen, kreischen)
* scherzhaft
Gimmelschwein [gimmlschwien] s.; Pl. ~e
* jmd. der mit weinerlicher Stimme spricht und jammert
* zu mdl. „gimmeln“ (weinerlich jammern, klagen, betteln)
* zumeist scherzhaft
Glotzbock [klotzbock] m.; Pl. ~böcke
* jmd. der aufdringlich starrt
* zu „glotzen“
* derb, auch scherzhaft
Gnatzschädel [knatzschädl] m.; Sing. = Pl.
* trotzige, verstockte Person, Sturkopf
* zu mdl. „Gnatz“ (Trotz, Verstocktheit)
* derb
Grölmatz [kröhlmatz] m., Pl. ~en
* lautes, ungezogenes Kind, Schreihals
* zu „grölen“ und mdl. „Matz“ [(kleiner) Kerl]
* derb, scherzhaft auch für Erwachsene
H
Habwanst [habwansd] m.; Pl. ~wänst(er)
* habgieriger Mensch, Gierhals
* zu „haben“ und mdl. „Wanst“ (Balg, Göre)
* für Kinder meist abwertend, für Erwachsene auch scherzhaft
Hippel [hibbl / hebbl] w.; Pl. ~n
* bösartige, unsympathische Frau
* zu mdl. „Hippel“ (Ziege)
* sehr derb
Huttich [huddich] m.; Pl. ~e
* ungezogenes Kind, Taugenichts
* veraltend, eher scherzhaft
I/J
Für diese Buchstaben liegen keine Einträge vor.
K
Kanaker [kanagger] m.; Sing. = Pl.
* Idiot, Verrückter
* zu hochdt. „Kanake“
* derb, auch scherzhaft
Klapskantor [klabbskander] m.; Sing. = Pl.
* Dummkopf, Depp
* von „Klaps“ und „Kantor“
* zumeist scherzhaft
Knärpelsack [knerblsagg] m.; Pl. ~säcke
* nörgelige, weinerliche Person
* zu mdl. „knärpeln“ (maulen, nörgeln, weinerlich jammern)
* zumeist scherzhaft
Knärpelschwein [knerblschwien] s.; Pl. ~e
* nörgelige, weinerliche Person
* zu mdl. „knärpeln“ (maulen, nörgeln, weinerlich jammern)
* zumeist scherzhaft
Knetscharsch [kneddscharsch] m.; Pl. ~ärscher
* Dummschwätzer, Nörgler
* zu mdl. „knetschen“ (dummes Zeug reden, nörgeln)
* sehr derb
Knetschbacken [kneddschbaggn] m.; Sing. = Pl.
* Quatschkopf, Schwatzmaul
* zu mdl. „knetschen“ (dummes Zeug reden, nörgeln)
* eher scherzhaft
Knetscher [kneddscher] m.; Sing. = Pl.
* Schwätzer, Nörgelheini
* zu mdl. „knetschen“ (dummes Zeug reden, nörgeln)
* derb, auch scherzhaft
Knetschkopf [kneddschkobf] m.; Pl. ~köpfe
* Dummschwätzer
* zu mdl. „knetschen“ (dummes Zeug reden, nörgeln)
* derb, auch scherzhaft
Knetschsack [kneddschsagg] m.; Pl. ~säcke
* Schwätzer, Nörgelheini
* zu mdl. „knetschen“ (dummes Zeug reden, nörgeln)
* derb, auch scherzhaft
Kniest [kniesd] m.; Pl. ~e
* Geizhals, Geizkragen
* sehr derb
Kningerschwein [kningerschwien] s.; Pl. ~e
* jammeriges, weinerliches Kind
* zu mdl. „kningern“ (klagen, weinerlich jammern) * scherzhaft
Knispel [knisbl] m.; Sing. = Pl.
* komischer Kauz, wunderlicher Kerl
* zu mhd. „knispel“ (Büschel, Traube) (?)
* veraltend, eher scherzhaft
Kokelfrieder [gohglfrieder] m.; Sing. = Pl.
* jmd. der gerne mit Feuer spielt und zündelt
* zu hochdt. „kokeln“ (gefährlich mit offenem Feuer spielen), das auf mhd. „goukeln“ (Zauberei treiben, gaukeln) beruht, und dem Vornamen „Frieder“ (Friedrich)
* scherzhaft
Kokelheini [gohglheini] m., Pl. ~s
* jmd. der gerne mit Feuer spielt und zündelt
* zu hochdt. „kokeln“ (gefährlich mit offenem Feuer spielen) und dem Vornamen „Heini“ (Heinrich)
* scherzhaft
Kokelhenner [gohglhenner] m., Sing. = Pl.
* jmd. der gerne mit Feuer spielt und zündelt
* zu hochdt. „kokeln“ (gefährlich mit offenem Feuer spielen) und dem Vornamen „Henner“ (Heinrich)
* scherzhaft
Kokelmatz [gohglmatz] m., Pl. ~en
* jmd. der gerne mit Feuer spielt und zündelt
* zu hochdt. „kokeln“ (gefährlich mit offenem Feuer spielen) und mdl. „Matz“ [(kleiner) Kerl]
* scherzhaft
Kokelschwein [gohglschwien] s. Pl. ~e
* jmd. der gerne mit Feuer spielt und zündelt
* zu hochdt. „kokeln“ (gefährlich mit offenem Feuer spielen)
* scherzhaft
Komödiantenwanst [kommödjandnwansd] m.; Pl. ~wänst(er)
* Kind, das gerne Faxen und Grimassen macht
* zu mdl. „Wanst“ (Balg, Göre)
* scherzhaft
Krautstursche [kruudsdursche] w.; Pl. ~n
* hässliche Frau (vom Dorf)
* zu mdl. „Tursche“ (Krautstrunk), das auf indogerm. „ters-“ (austrocknen, verdorren) beruht
* veraltet, sehr derb
Krepel [krebl] m.; Sing. = Pl.
* bösartiger Kerl, unangenehmer Mensch
* zu mhd. „krüepel“, auf dem hochdt. „Krüppel“ beruht
* derb, auch scherzhaft
Krutsch(er) [kruudsch(er)] m.; S. = Pl.
* kleiner Junge, „halbe Portion“, Knirps
* zu nsorb. „krotus“ (Wicht, Knirps, Zwerg)
* veraltend, sowohl scherzhaft als auch abwertend
L
Lappeduddel [labbeduddl] m.; Sing. = Pl.
* wehleidiger, weinerlicher Mensch
* zu „lappig“ und mdl. „(be)tutteln“ (bemuttern) (?)
* derb, auch scherzhaft
Latschmatz [laadschmatz] m.; Pl. ~en
* Stolperer, ungeschickter Mensch
* zu „latschen“
* eher scherzhaft
Link(s)tatsch [link(s)daddsch] m.; Pl. ~e
* Linkshänder, ungeschickter Mensch
* von „links“ und ugs. „tatschen“ (derb anfassen, plump betasten)
* veraltend, scherzhaft
Livlänger [lifflänger] m.; Sing. = Pl.
* Müßiggänger, Faulenzer
* von „Livländer“
* veraltet, sehr derb
M
Mährarsch [mähr-arsch] m.; Pl. ~ärscher
* sehr langsame, umständliche und langweilige Person
* zu mdl. „mähren“ (trödeln, undeutlich und langweilig sprechen), das auf mhd. „mæren“ (verkünden, erzählen, rühmen) beruht
* sehr derb, auch scherzhaft
Mährluder [mährluder] s.; Sing. = Pl.
* sehr langsame, umständliche und langweilige Person
* zu mdl. „mähren“ (trödeln, undeutlich und langweilig sprechen)
* derb, auch scherzhaft
Mährsack [mährsagg] m.; Pl. ~säcke
* langsame, trödelnde Person
* zu mdl. „mähren“ (trödeln, undeutlich und langweilig sprechen)
* derb, auch scherzhaft
Mährsau [mährsau] w.; nur Sing.
* sehr langsame, umständliche und langweilige Person
* zu mdl. „mähren“ (trödeln, undeutlich und langweilig sprechen)
* sehr derb, auch scherzhaft
Mährschwein [mährschwien] s.; Pl. ~e
* jmd. der sehr langsam und umständlich ist
* zu mdl. „mähren“ (trödeln, undeutlich und langweilig sprechen)
* derb, auch scherzhaft
Mährsocke [mährsogge] w.; Pl. ~n
* langsame, trödelnde Person
* zu mdl. „mähren“ (trödeln, undeutlich und langweilig sprechen)
* scherzhaft
Matz [matz] m. / s.; Pl. ~en
* Ferkel, Dreckspatz; als zweiter Wortbestandteil in zusammengesetzten Substantiven in der Bedeutung „(kleiner) Kerl“
* zu germ. „masta“ (Fett), auf dem. „Mast“ und „mästen“ beruhen
* scherzhaft
Meister Matz [meisder matz] m.; nur Sing.
* jmd. der vor allem mit großem Mund bei einer Sache vorneweg ist
* zu mdl. „Matz“ [(kleiner) Kerl]
* zumeist abwertend in der Redewendung „dabei ist er ~“, auch scherzhaft
Mensch [mensch] s.; Pl. ~er
* Frau, Mädchen, Weib
* derb, auch scherzhaft
Mistkrepel [misdkrebl] m.; Sing. = Pl.
* bösartiger, unsympathischer Mensch
* zu mdl. „Krepel“ (Kerl), das auf mhd. „krüepel“ beruht, vergl. auch hochdt. „Krüppel“
* sehr derb, auch scherzhaft
Mistwanst [misdwansd] m.; Pl. ~wänst(er)
* bösartiges, unsympathisches Kind
* zu mdl. „Wanst“ (Balg, Göre)
* sehr derb
Motscherer [moodscherer] m.; Sing. = Pl.
* nörgeliger Mensch
* zu mdl. „motschern“ (nörgeln, nölen)
* scherzhaft
N
Ningelschwein [ninglschwien] s.; Pl. ~e
* ständig nörgelnder Mensch
* zu mdl. „ningeln“ (nörgeln, nuscheln)
* derb, auch scherzhaft
Ningersack [ningersagg] m.; Pl. ~säcke
* nörgeliger, unzufriedener Mensch
* zu mdl. „ningern“ (nörgeln, maulen)
* zumeist scherzhaft
O
Ortz [orz] m.; nur Sing.
* mäkliges, wählerisches Kind
* zu „Uraß“ (veraltet für verschmähte Rest von Speisen/Futter)
* veraltend, eher scherzhaft
Ortzer [orzer] m.; Sing. = Pl.
* mäklige Person, die beim Essen viel übrig lässt
* zu „Uraß“ (veraltet für verschmähte Rest von Speisen/Futter)
* veraltend, eher scherzhaft
P
Pfeifchen [fiefchn] s.; Sing. = Pl.
* unscheinbare, stille Frau
* zu „Pfeife“
* scherzhaft
Pfeifendeckel [fiefndeggl] m.; Sing. = Pl.
* ungeschickter Mensch, Depp
* zu „Pfeife“
* scherzhaft
Plärrwanst [blärrwansd] m.; Pl. ~wänst(er)
* ständig schreiendes, heulendes Kind
* von „plärren“ und mdl. „Wanst“ (Balg, Göre)
* derb
Q
Quackerer [quaggerer] m.; Sing. = Pl.
* jmd. der dumm daherredet, schwafelt
* zu mdl. „quackern“ (schwätzen, schwafeln), das auf „quaken“ und „gackern“ beruht (?)
* derb
Quäkser [queegser] m.; Sing. = Pl.
* ständig plärrendes Kind, Heulsuse
* zu mdl. „quäksen“ (lauthals plärren, heulen)
* derb
Quäksschwein [queegs-schwien] s.; Pl. ~e
* ständig heulendes Kind, Schreihals
* zu mdl. „quäksen“ (lauthals plärren, heulen)
* sehr derb
Qualster [qualsder] m.; Sing. = Pl.
* ungezogenes, nervendes Kind
* zu mdl. „Qualster“ (schleimiger Auswurf)
* veraltend, zumeist scherzhaft
R
Raude [raude] w.; Pl. ~n
* heruntergekommener, schlampiger Mensch
* zu „Räude“ (Hautkrankheit bei Tieren)
* sehr derb, auch scherzhaft
Rotzkrepel [rotzkrebl] m.; Sing. = Pl.
* bösartiges, freches Kind
* von „Rotz“ und mdl. „Krepel“ (bösartiger Kerl), das auf mhd. „krüepel“ beruht, vergl. auch hochdt. „Krüppel“
* sehr derb
Rotzwanst [rotzwansd] m.; Pl. ~wänst(er)
* freches, bösartiges Kind
* von „Rotz“ und mdl. „Wanst“ (Balg, Göre)
* sehr derb
Reff [reff] s.; Pl. ~er
* hässliche, schlampige, heruntergekommene Frau
* von veraltet „Reff“ (Kiepe, Rückentragekorb)
* sehr derb
Rübensießchen [rübmsießchn] s.; Sing. = Pl.
* Schlawiner, Schlingel
* zu frz. „saucisse“ (Würstchen)
* veraltet, scherzhaft, zumeist für Kinder
Rungser [rongser] m.; Sing. = Pl.
* sehr lebhaftes Kind, Rabauke
* zu mdl. „rungsen“ (rempeln, stoßen, toben)
* zumeist scherzhaft
Rungser [rongser] m.; Sing. = Pl.
* körperlich kräftig arbeitender Kerl, den nichts aufhalten kann
* zu mdl. „rungsen“ (rempeln, stoßen, toben)
* scherzhaft und anerkennend
Rungsmatz [rongsmatz] m.; Pl. ~en
* Kind, das keinen Augenblick stillsitzen kann
* zu mdl. „rungsen“ (rempeln, stoßen, toben) und mdl. „Matz“ [(kleiner) Kerl]
* zumeist scherzhaft
Rungsschwein [rongsschwien] s.; Pl. ~e
* tobendes, wild umhertollendes Kind
* zu mdl. „rungsen“ (rempeln, stoßen, toben)
* zumeist scherzhaft
S
Sauwanst [sauwansd] m.; Pl. ~wänst(er)
* freches, unsympathisches Kind
* zu mdl. „Wanst“ (Balg, Göre)
* sehr derb
Schaffen [schaffn] m.; Sing. = Pl.
* hässliche Frau
* zu mdl. „Schaffen“ (Bratpfanne), das auf mhd. „schaf“ (Gefäß) beruht
* sehr derb
Schäks [scheegs] m.; Pl. ~e
* Verehrer, Liebhaber, Galan
* von jidd. „schegez“ (Schimpfname für einen Burschen), das auf hebr. „šäqäs“ (Abscheuliches) beruht
* veraltend, abwertend, auch scherzhaft
Schell-Wenzel [schell-wensl] m.; nur Sing.
* jmd. der besonders dumm oder erstaunt guckt
* von den Skatbegriffen „Schell(en)“ und mdl. „Wenzel“ (Bube)
* zumeist scherzhaft, nur in der Redewendung „gucken / glotzen wie ~“
Scheißefresser [schisse(n)fresser] m.; Pl.= Sing.
* extrem geiziger Geizkragen
* der Ursprung erklärt sich bei näherer Überlegung wohl von selbst ;)
* zumeist scherzhaft, manchmal aber auch bösartig gemeint
Schlawake [schlawaage] w.; Pl. ~n
* Tratschweib, Frau mit losem Mundwerk
* zu „Slowake“ (?)
* sehr derb
Schlette [schleddn] w.; Pl. ~n
* lange, hagere Frau, Dürre
* aus dem slaw. (?)
* veraltet, derb
Schlump und Latsch [schlumb un laadsch]
* unordentlicher, schlampiger Mensch
* zu mdl. „Schlumpen“ (alte, ausgetretene Schuhe) und „Latschen“
* meist scherzhaft, nur in der Redewendung „her-umlaufen / aussehen wie ~“
Schlumperbeutel [schlumberbiddl] m.; Sing. = Pl.
* nachlässiger, unordentlicher Mensch
* zu mdl. „verschlumpern“ (verlegen, verschusseln)
* scherzhaft
Schlumperjan [schlumberjan] m.; Pl. ~e
* vergesslicher, schusseliger Mensch
* zu mdl. „verschlumpern“ (verlegen, verschusseln) und dem Vornamen „Jan“
* scherzhaft
Schlumperliese [schlumberliese] w.; Pl. ~n
* nachlässiges, sorgloses Mädchen
* zu mdl. „verschlumpern“ (verlegen, verschusseln) und dem Vornamen „Liese“
* scherzhaft, auch für Erwachsene
Schlumpersack [schlumbersagg] m.; Pl. ~säcke
* fahriger, liederlicher Mensch
* zu mdl. „verschlumpern“ (verlegen, verschusseln)
* scherzhaft
Schlumpersocke [schlumbersogge] w.; Pl. ~n
* jmd. der umherschlendert
* zu mdl. „schlumpern“ (schlendern, herumtreiben)
* scherzhaft
Schmießchen [schmießchn] s.; Sing. = Pl.
* kleine, unscheinbare, stille Frau
* zu frz. „chemisette“ (Vorhemd, Mieder, Bluse); vollständiger Bedeutungswandel
* zumeist scherzhaft
Schnumpel [schnumbl] w.; Pl. ~n
* hässliche / bösartige Frau, Hexe, Alte
* (?)
* sehr derb
Schussbarthel [schussbardl] m.; Sing. = Pl.
* ungeschickter Mensch, Depp
* von „schusselig“ und dem Vornamen „Barthel“ (Bartholomäus)
* veraltet, scherzhaft
Schweinsjunge [schwinnsjung] m.; Pl. ~n
* Schlawiner, gewiefter Junge
* scherzhaft
Schweinskrepel [schwinnskrebl] m.; Sing. = Pl.
* Halunke, Gauner
* zu mdl. „Krepel“ (Kerl), das auf mhd. „krüepel“ beruht, vergl. auch hochdt. „Krüppel“
* derb, zumeist scherzhaft
Schweinsmatz [schwinnsmatz] m.; Pl. ~en
* gerissener Kerl, Gauner, Schlawiner, Halunke
* zu mdl. „Matz“ [(kleiner) Kerl]
* derb, oft scherzhaft und anerkennend
Schweinsrüssel [schwinnsrüssl] m.; Sing. = Pl.
* jmd. mit entsprechender Gesichtsform
* eher scherzhaft
Schweinswanst [schwinnswansd] m.; Pl. ~wänst(er)
* freches, unsympathisches Kind
* zu mdl. „Wanst“ (Balg, Göre)
* sehr derb, auch scherzhaft
Sießchen [sießchn] s.; Sing. = Pl.
* Schlawiner, Schlingel
* von frz. „saucisse“ (Würstchen)
* veraltet, scherzhaft zumeist für Kinder
Stöpfel [stöbfl] m.; Sing. = Pl.
* kleiner Junge, Knirps
* zu „Stopfen“ und „Stöpsel“
* sowohl scherzhaft als auch leicht abwertend
Strick [strigg] m.; Pl. ~e
* durchtriebener Bursche, Gauner, Kerl
* zu ugs. „Galgenstrick“ (Teufelskerl)
* oft scherzhaft oder anerkennend, in Verbindung mit „fauler ~“ abwertend
Strickbindfaden [striggbindfadn] m.; Pl. ~fäden
* pfiffiger Bursche, Halunke
* zu ugs. „Galgenstrick“ (Teufelskerl) und „Bindfaden“; Bedeutungsverdopplung
* scherzhaft, zumeist für Kinder
T
Tatterarsch [dodderarsch] m.; Pl. ~ärscher
* jemand, der sehr langsam ist und nichts fertigbringt
* zu mdl. „doddern“ (sehr langsam machen), das auf hochdt. „tattern“ (zittern) beruht
* sehr derb, auch scherzhaft
Tatterhenner [dodderhenner] m.; Sing. = Pl.
* sehr langsame, gemächliche Person
* zu mdl. „doddern“ (sehr langsam machen), das auf hochdt. „tattern“ (zittern) beruht, und dem Vornamen „Henner“ (Heinrich)
* zumeist scherzhaft
Triefschädel [driefschädl] m.; Sing. = Pl.
* sehr langsamer Mensch
* zu mdl. „triefen“ (nicht aufpassen, sehr langsam sein)
* sehr derb
Trulla [trulla] w.; Pl. ~s
* komische, seltsame Frau
* zu „trollen“ (?)
* zumeist scherzhaft, in vielen Situationen einsetzbar
U
Uzebuz [uzze-buuz] m.; nur Sing.
* Narr, Trottel, Depp
* zu ugs. „uzen“ (ärgern, hänseln), das entweder auf ahd. „geûzôn“ (vertreiben), poln. „uziecha“ (Belustigung) oder hebr. „uz“ (bedrängen, enge machen) beruht (?)
* veraltend, nur in der Redewendung „jmd. zum ~ halten“
V
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W
Wanst [wansd] m.; Pl. Wänst(er)
* Kind, Balg, Göre
* von „Wanst“ (dicker Bauch)
* derb, auch scherzhaft
Würgel [würchl / werchl] m.; Sing. = Pl.
* sehr lebhaftes kleines Kind
* zu mdl. „herumwürgen“ (herumwirtschaften, emsig beschäftigt sein)
* scherzhaft
Würgmatz [würchmatz] m.; Pl. ~en
* unruhiges, stets beschäftigtes Kind
* zu mdl. „herumwürgen“ (herumwirtschaften, emsig beschäftigt sein) und mdl. „Matz“ [(kleiner) Kerl]
* scherzhaft, auch für Erwachsene
X/Y
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Z
Zecker [zegger] m.; Sing. = Pl.
* jmd. der andere gern ärgert, Stänkerer
* zu mdl. „zecken“ (ärgern, stänkern), das auf ahd. „zëchôn“ und mhd. „zecken“ (necken, reizen, plänkeln) beruht
* eher scherzhaft
Zeckliese [zeggliese] w.; Pl. ~n
* Mädchen, das andere gern ärgert und piesackt
* zu mdl. „zecken“ (ärgern, stänkern), das auf ahd. „zëchôn“ und mhd. „zecken“ (necken, reizen, plänkeln) beruht, und dem Vornamen „Liese“
* zumeist scherzhaft
Ziehfietz(chen) [ziehfietz(chn)] s.; Sing. = Pl.
* 1) sehr zartes, schwächliches, wehleidiges Kind
* zu „ziehen“ und „Fädchen“ (?)
* zumeist scherzhaft
Ziehfietz(chen) [ziehfietz(chn)] s.; Sing = Pl.
* 2) schmale, unscheinbare Frau, „graue Maus“
* zu „ziehen“ und „Fädchen“ (?)
* zumeist scherzhaft
Zilla Pappschlump [zilla babbschlumb] w.; nur Sing.
* unordentlicher, schlampiger Mensch
* nach dem Spottnamen für ein bis in die 1930er-Jahre bekanntes goth'sches Original, dessen „Markenzeichen“ ausgetretene Schuhe waren
* nur in der Redewendung „aussehen / herumlaufen wie ~“; zumeist scherzhaft sowohl für Frauen als auch Männer
(närrscher) Zwickel [zwiggl] m.; Sing. = Pl.
* komischer Kauz, seltsamer / alberner Mensch
* von hochdt. „Zwickel“ (Stoffeinsatz in Kleidungsstücken) (?)
* eher scherzhaft
Zwuller [zwuller] m.; Sing. = Pl.
* kleines Kind, Steppke, kleiner Mensch
* (?)
* scherzhaft
